Salome

Oper von Richard Strauss

Augen überall. Alle Ebenen des Bühnenbilds bedeckt ein kindlich hingeschmiertes Zeichensystem, irgendwo zwischen Jonathan Meese und Voodoo. Mit gefesseltem Teddybären und Böse-Mutter-Puppe. Hier hat sich ein pubertierendes Mädchen ihre Ängste und Wünsche von der Seele gemalt. Ein von allen Seiten und besonders dem Stiefvater Herodes begehrlich begafftes Kind… Und Salome selbst wird als Ich gespalten in die Sängerin und eine Darstellerin fürs Unterbewusste, die ihre Psychosen weiter tüchtig in der Malerei abarbeitet. Und im sogenannten Schleiertanz. Ihr Mittel, bei Herodes das Haupt des Jochanaan zu erpressen, zugleich Inbegriff ihrer Prostitution vor dem Herrscher, ein Akt quasi sexuellen Missbrauchs. Kein Tanz, sondern eine mitleiderregende Selbsterniedrigung, Entäußerung aller angesammelten Verletzungen und Demütigungen. Zu sehen ist nicht der aufreizende Tanz, sondern was die missbrauchte Tänzerin dabei fühlt. Und das geht unter die Haut… Gelungen ist ein optisch-musikalisches Gesamtkunstwerk des gesteigerten Expressionismus.

Kritik von Andreas Berger Braunschweiger Zeitung 02.06.2013

Regie und Bühne
Michael Simon
Kostüme
Zana Bosnjak
Musikalische Leitung
Alexander Joel

Mit
Eva Burghardt
Yamina Maamar
Natascha Petrinsky
Oleksandr Pushniak
Anne Schuldt
Arthur Shen
Jürgen Sacher